Mit Herz und Haltung prägte Marlies Stockhorst den rheinischen Karneval. Im Interview erzählt sie von bewegenden Abschiedsmomenten, der Bedeutung von Tradition und Vereinsleben sowie ihren Wünschen für die Zukunft. Ein Gespräch voller Leidenschaft und Inspiration – unbedingt weiterlesen!

top: Frau Stockhorst, Sie sind eine Institution im rheinischen Karneval. In dieser Session verabschieden Sie sich aus Ihrem Amt. Wie haben Sie Ihre Karriere im Karneval erlebt?
Marlies Stockhorst: Ich kann nicht verhehlen, dass es als Frau in der damaligen Zeit besonders war. Frauen müssen wie fast überall mehr arbeiten, um Erfolg zu haben. Aber ich ließ mich nicht entmutigen. Ich habe das gemacht, was gemacht werden musste und sollte – und damit meinen Weg gefunden.
Marlies Stockhorst: Da gab es einige Momente. Am 11.11. zur Sessionseröffnung, als ich mich spontan verabschiedet habe, gab es einen großen Applaus vom Publikum. Besonders bewegend war es, als Peter Brings bei der Proklamation vor mir niederkniete. Auch beim Federrupfen sangen die Kinder die Müsch und verteilten kleine Rosen – ich dachte, die wären für den Projektleiter, aber dann kamen alle zu mir - so berührend. Beim Rosenmontagszug sagte jemand: „Schau, der Himmel weint, weil du aufhörst.“ Und als im Auflösungsbereich eine Wagenfront enthüllt wurde, stand dort ganz groß: „Danke, Marlies“.
Marlies Stockhorst: Ein großer Meilenstein war die Anerkennung des rheinischen Karnevals als Kulturerbe in NRW 2014 und die Aufnahme auf die deutsche UNESCO-Liste 2015. 2026 werden die wichtigsten Dokumente aus dem Karneval im Barbarastollen gelagert – dort liegen auch Beethovens Fünfte und der Kölner Dom. Das zeigt, wie bedeutend unser Brauchtum ist. Mir war immer wichtig, Tradition zu bewahren, neues einzuführen, und das Soziale rund um den Karneval zu fördern. Sonst wäre es nur eine Party-Geschichte.
Marlies Stockhorst: Gerade jetzt spüren wir, dass die Menschen wieder mehr Lust am Vereinsleben haben. Die Vereine bekommen mehr Zulauf – auch bei meinem Verein, den Bucheckern, sind gerade fünf neue Jugendliche dazugekommen. Das soziale Verhalten wird in den Vereinen geübt und gefördert – und das quer durch die ganze Stadtgesellschaft. Der Karneval hat hier eine große Aufgabe.
Marlies Stockhorst: Sucht den direkten Dialog mit den Gesellschaften und den Menschen. Der Karneval lebt vom Zusammenhalt und vom Austausch. Wenn das beherzigt wird, steht der Karneval auch die nächsten 200 Jahre gut da. Wichtig ist, dass der Vorstand eine klare Linie und Ziele hat und Menschen begeistert.
Vielen Dank für die interessanten und offenen Einblicke!
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