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    Das Treibholz

Dirk Dötschs Entdeckung am Rheinufer: Das Treibholz. Drei Tage vor der ersten Party liegen im Haus am Rhein in Beuel noch nicht alle Böden, und es fehlt dieses ganz besondere Regal. Mein Besuch auf der Baustelle Anfang Februar fand kurz vor dem Soft-Opening und der öffentlichen Eröffnung des Treibholz statt.


Es ist ein grauer Morgen, als ich mich auf den Weg zu Dirk Dötschs neuem „Treibholz“ mache. Die Elsa-Brändström-Straße 74 führt von der Beueler City kommend gerade am Fluss entlang, und schon bei den ersten Metern schleicht sich angesichts großzügiger Villen in Ufernähe wieder dieser angestaubt ehrwürdige Charme Bonns als ehemaliger Bundeshauptstadt ein. Für viele Bonner ist der Weg zum ehemaligen Vereinsheim der Bonner Ruder-Gesellschaft geradezu ein Schleichweg – etwas abseits und doch vertraut. Wer ein echter Beueler ist, kennt die Location jedoch.

Je näher ich komme, desto mehr steigt die Spannung auf das werdende Restaurant, von dem schon so viel geschrieben und gepostet wurde, und meinem grauen Morgen mischt sich geschäftige Betriebsamkeit bei. Dutzende Handwerker tummeln sich im zweistöckigen Gebäude, das einst Vereinsheim war. Eine Kreissäge surrt, Bodenplanken liegen kreuz und quer übereinander, emsiges Treiben an Stufen, Türen und Galerie. Abseits der Baustelle blickt „Herr Dötsch“ im Büro auf den Bildschirm des PCs, ruhig und konzentriert. „Herr Dötsch, wie geht es Ihnen?“ Und dann geht es los.

„Ich will doch eigentlich nur eine Speisekarte schreiben“, sagt der bekannte Wirt des Parkrestaurants Rheinaue zwischen Werkzeug und Visionen und schmunzelt hinter seinem Bart hervor. Doch die Technik am neuen Standort scheint weniger entschlossen die Arbeit aufzunehmen als die Handwerker der acht Gewerke, die Dötsch am heutigen Tag bestellt hat.

Computer, Drucker, alles hakt, und die Umstellung nach dem Umzug bringt ihre eigenen Herausforderungen mit sich. Dötsch bleibt gelassen, fast stoisch, während er von den Hürden der letzten Tage erzählt: Lieferengpässe, die seit Corona nicht abreißen, wirbeln die Zeitpläne durcheinander. „Ich will ja da vorne so ein Weinregal haben aus Metallstangen, aber die sollen nicht glänzen. Ich will die matt gebürstet. Die glänzenden haben zwei Tage Lieferzeit, frage ich nach den matten, zwei Wochen! Da häng ich aber dann eher ein Schild an die Stelle, wo draufsteht ‚Ich bin bald da‘, bevor ich was anderes nehme“, nimmt sich der Visionär vor.

Für den Vorsitzenden der DEHOGA (Deutsche Hotel- und Gaststätteninnung) Bonn Rhein-Sieg ist das alles Teil des neuen Abenteuers, auf das er sich mit seinem jungen, ehrgeizigen Team vom Parkrestaurant einlässt.

Das Haus am Rhein

Seit den späten 1970er Jahren ist die Elsa-Brändström-Straße 74 das Vereinsheim der Bonner Ruder-Gesellschaft. Ein Ort, an dem Sport und Gastlichkeit zusammenkommen. Schon seit der ersten Stunde sollte hier Gastronomie entstehen, die sich selbst trägt. Der Sportgesellschaft gehört auch der „Blaue Affe“, den sie ebenfalls an Dirk Dötsch verpachtet.

Während draußen das emsige Treiben der Baustelle noch lange nicht abreißt, wird im Inneren deutlich, wie sehr Dirk Dötsch das neue „Treibholz“ mit seiner Persönlichkeit prägt.

Der Geschäftsführer – ein Original

Mit seiner natürlichen Autorität – er ist die Ruhe selbst – und immer bereit, neue Ufer zu erobern, navigiert Dötsch durch die Tage auf der Baustelle. Während des Interviews stehen immer wieder Mitarbeiter in der Tür und haben Fragen oder wollen nur mal kurz Hallo sagen und gar nicht lange stören. Auf die Unterbrechungen reagiert Dötsch freundlich, im Gespräch gelassen, aber bestimmt. Er delegiert, sagt, wo’s langgeht, macht sich ein Bild von der Lage und stellt sicher, dass jeder weiß, was zu tun ist. Sein Betriebsleiter Mustafa Akbas, der seit über zehn Jahren an seiner Seite ist, wird während des Interviews kurz gebrieft – ein eingespieltes Team, das auch in hektischen Zeiten funktioniert. „Man muss es nehmen, wie es kommt – genau wie das Treibholz am Rhein“, sagt er. Der Name sei anfangs nur ein Arbeitstitel gewesen. Seine Lebensgefährtin hatte die Idee. Doch er blieb.

In drei Tagen hat er hier die ersten Gäste. Für das knappe Zeitfenster vor der Karnevalsparty „Blauer Affe“ der Bonner Ruder-Gesellschaft mussten innerhalb von drei Wochen alle Vorbereitungen getroffen werden. Bei aller Eile verliert er das Konzept nie aus dem Blick. Die Einrichtung spiegelt das Konzept wider: In Holland wurden Raw-Materials-Möbel bestellt, passend zum Thema Treibholz. „Es muss nicht perfekt sein, aber es soll Charakter haben“, beschreibt Dirk Dötsch seine Idee.

Die Küche

Auch hier bleibt es dem Ort verpflichtet – kontinentale Gerichte mit regionalen Einflüssen. „Sushi wird es hier nicht geben, dafür aber deutsche, rheinländische und europäische Spezialitäten wie geschmorte Kalbsbäckchen, Lachs-Stulle oder Pasta, wie der Küchenchef Fabian Heindl auch zuhause kocht. Man muss gar nicht so weit fahren, um Gutes zu bekommen“, macht der Gastronom neugierig. „Ich war im Weingut Pieper aus Rhöndorf für die Weine oder in Zell, um den Wein ‚Ruder & Rebe‘ ins Leben zu rufen. Dann habe ich eine tolle Führung in der Birkenhof Brennerei im Westerwald mitgemacht für tolle Obstbrände, aber auch einen hervorragenden Gin, der durch das Produkt aus dem Hause Sebastian Kehl ergänzt wird.“

Die Speisekarte soll einladend und abwechslungsreich sein, mit ehrlichen Gerichten, die sowohl Stammgäste als auch neue Besucher begeistern – die Auswahl der Produkte ein kulinarisches Bonner Bekenntnis mit dem ein oder anderen Blick in die Weite.

Der Zauber

„Das ist schon ein ganz besonderer Ort hier“, sinniert Dötsch. „Wenn ich abends die Tür schließe, ist da draußen nur noch ein Radfahrer oder Lastschiff, das leise vorüberzieht. Wiese ist auch schön, aber am Wasser, das ist eine ganz andere Hausnummer. Hier herrscht Ruhe.“

Mit direktem Blick auf die Villa Hammerschmidt entfaltet das „Treibholz“ seine außergewöhnliche Atmosphäre. Das ist ein anderes Bonn als das in der City. Ein beschauliches, aber edles. Bodenständig und unaufgeregt.

Im Sommer werden wie gewohnt Konzerte im Parkrestaurant stattfinden, und das Team wird flexibel zwischen den Standorten agieren müssen. Mit etwas angepassten Öffnungszeiten ist das umsetzbar. Für Dötsch ist das „Treibholz“ mehr als ein Restaurant: Es ist ein Ort, an dem Gastfreundschaft, Kreativität und Gemeinschaft gelebt werden. „Da freue ich mich schon drauf, der Ort hier ist kleiner. Da kommt man wieder mehr in die Rolle des Gastgebers.“

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Tanja Wehrmeister
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