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    Interview mit Nina Probst

Wie Nina Probst mit Mut zur Veränderung, digitalem Pioniergeist und rheinischer Lebensfreude neue Wege in der Kommunikationsbranche geht. Nina Probst hat zwei Kinder, einen Hund und eine Werbeagentur. Die Bonner Unternehmerin sprach mit top-Redakteurin Martina Sondermann darüber, wie sie Familie, Beruf und soziales Engagement unter einen Hut bringt, warum Netzwerke und digitale Tools für sie unverzichtbar sind – und weshalb Flexibilität heute wichtiger denn je ist. Ein inspirierender Einblick in ein modernes Arbeitsleben.


top: Frau Probst, wie war Ihr beruflicher Werdegang?

PROBST: Ich bin gebürtige Rheinländerin und habe mein Volontariat in einer Bonner Werbeagentur gemacht. Parallel dazu habe ich in Köln Kommunikationswirtin WAK studiert. Nach dem Abschluss bin ich noch ein Jahr in Bonn geblieben, aber dann hat es mich für einen großen Kunden nach München gezogen. Das war damals mein großer Traum.

top: Warum kamen Sie wieder zurück ins Rheinland?

PROBST: Wie das Leben so spielt, bin ich der Liebe wegen zunächst nach Koblenz, später für einige Jahre nach Hamburg gegangen. Dort habe ich in einer großen, international agierenden Agentur gearbeitet, die verschiedene Dependancen deutschlandweit und international hatte. Ich war viel unterwegs – oft in Berlin, Hamburg und auch mal für Produktionsabstimmungen in der Dependance in Hongkong.

top: Was hat Sie in dieser Zeit besonders geprägt?

PROBST: Die Agenturzeit war sehr spannend und lehrreich. Ich war fast 15 Jahre bei Traffic Productions/SelectNY – auch noch, als ich mich selbstständig gemacht habe. Besonders die Zeit als Managing Director hat mich geprägt. Jeder Geschäftsführer hatte zusätzlich zur Kundenbetreuung sein eigenes internes Feld – meins war das Personal. Das war wahnsinnig spannend und hat mir viele Puzzleteile für meinen späteren Weg geliefert.

top: Warum haben Sie sich 2008 selbstständig gemacht?

PROBST: Ausschlaggebend war der Gedanke an mehr Flexibilität. Meine Tochter wurde 2007 geboren und ich wollte mein Leben nicht mehr komplett an die Arbeitswelt anpassen, sondern die Arbeitsweise neu denken. Damals war Homeoffice noch eine große Ausnahme, aber wir hatten ein super Vertrauensverhältnis in der Agentur. Ich war zwei Tage pro Woche vor Ort, den Rest habe ich von zu Hause gearbeitet.

top: Wie sieht Ihr Agenturmodell aus?

PROBST: Ich habe mich bewusst von klassischen Agenturstrukturen gelöst und mein „Agenturmodell nach Maß“ entwickelt. Dadurch kann ich Full-Service anbieten – mit mir als feste Ansprechpartnerin. Mein Team aus Spezialisten stelle ich projektbezogen zusammen – deutschlandweit, manchmal auch international. Es ist egal, wo jemand sitzt, wir sind digital verbunden. Das war damals noch ungewöhnlich, heute ist es fast schon Standard. Ich betreue dabei einen breit gefächerten Kundenstamm – von mittelständischen Unternehmen bis hin zu größeren Marken aus unterschiedlichen Branchen.

top: Was war Ihnen besonders wichtig?

PROBST: Flexibilität ohne Qualitätsverluste. Früher dachte man, Austausch und Kontrolle sei nur vor Ort möglich. Spätestens mit Corona hat sich das geändert. Heute ist es selbstverständlich, dass man auch im Homeoffice genauso gute Arbeit leistet. Ich arbeite ausschließlich mit freien Mitarbeitern zusammen, die alle Spaß an ihrer Arbeit haben und selbstständig denken. Das funktioniert wunderbar.

top: Gab es auf Ihrem Weg Vorbilder, die Sie besonders geprägt haben?

PROBST: Ich hatte das Glück, in den Agenturen, in denen ich tätig war, immer eng mit den Geschäftsführern zusammenzuarbeiten. Das war für mich eine tolle Möglichkeit, Führungsstile und Denkweisen kennenzulernen und viel mitzunehmen.

top: Wie würden Sie Ihren eigenen Führungsstil beschreiben?

PROBST: Da wir alle Freiberufler sind, gibt es bei uns keine klassische Führung. Wir arbeiten im Austausch auf Augenhöhe. Natürlich trage ich die Verantwortung gegenüber dem Kunden – ich bin sozusagen die Spinne im Netz und koordiniere die Spezialisten im Hintergrund. Wenn es spezielle Anforderungen gibt, ist es für mich völlig in Ordnung, wenn der Kunde oder der Kreative direkt ins Gespräch einbezogen wird. Ich bin Generalistin, habe aber ein gutes Verständnis für Kreativität und kann die Schnittstelle zwischen Kunde und Team bilden.

top: Haben Sie eine künstlerische Ader?

PROBST: Mein erster Berufswunsch war tatsächlich, Künstlerin zu werden. Ich habe sehr gerne gezeichnet und Kunst war immer mein Steckenpferd. In der ersten Agentur in Bonn habe ich dann aber schnell gemerkt, dass das Zeichnen dort schon fast ausschließlich am Computer stattfand – das war nicht mein Weg. Trotzdem ist die künstlerische Ader geblieben, und sie hilft mir heute sehr, wenn es um Gestaltung, Farben und Layouts geht.

top: Zeichnen Sie noch in Ihrer Freizeit?

PROBST: Als mich meine Tochter vor ihrem Abitur gebeten hat, ihr für die Schule eine Hand zu zeichnen, hat das erstaunlich gut geklappt. Also ich zeichne nicht mehr ständig, aber ich habe es noch im Blut – und auch meine Familie ist künstlerisch geprägt.

top: Bleibt neben Beruf und Familie überhaupt noch Zeit für Hobbys?

PROBST: Mein Beruf ist tatsächlich auch mein Hobby, so banal das klingt. Ich arbeite gerne, auch mal am Wochenende, wenn es ruhig ist. Aber ich genieße auch die Zeit mit meinen Kindern, meinem Freundeskreis und meinem Hund. Das Siebengebirge ist wunderbar zum Abschalten – und der Hund sorgt dafür, dass ich regelmäßig rauskomme und den Kopf frei bekomme.

top: Sind Sie in Frauennetzwerken aktiv?

PROBST: Ja, denn ich finde den Austausch in Netzwerken wie dem Q-Treff von Zeyna Saba, Tamae Meixner und Ina Harder sehr wertvoll. Dort werden aktuelle Themen diskutiert und man bleibt am Puls der Zeit. Außerdem war ich viele Jahre im Vorstand des Alten Beueler Damenkomitees für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Das ist ein ganz besonderes Netzwerk, denn schließlich ist das Komitee die Wiege der Weiberfastnacht – quasi das erste Frauennetzwerk überhaupt. Karneval ist für mich ein großes Hobby und ein wichtiger Teil meines sozialen Engagements.

top: Seit 2023 sind Sie zudem Botschafterin der Stiftung Gemeindepsychiatrie. Was bedeutet das für Sie?

PROBST: Das Thema liegt mir sehr am Herzen, da ich es aus meinem eigenen Umfeld kenne. Als Botschafterin zeige ich Gesicht, vernetze Menschen und unterstütze mit Aktionen wie dem Benefizkonzert „Seelenklänge“, dessen Erlös der Stiftung zugutekommt. Wir treffen uns regelmäßig, um neue Projekte zu planen und das Bewusstsein für psychische Erkrankungen zu stärken.

top: Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wie erleben Sie die Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Ihrem Beruf?

PROBST: Die Veränderungen sind enorm. Früher standen wir noch mit Profis an der Druckmaschine und haben Farben abgenommen – heute läuft vieles über Online-Druckereien und digitale Tools. Das Arbeiten von überall aus ist selbstverständlich geworden, und auch Künstliche Intelligenz ist ein fester Bestandteil meines Alltags.

top: Wie nutzen Sie KI konkret in Ihrer Arbeit?

PROBST: KI ist ein großartiges Tool, vor allem für Recherche und Routineaufgaben. Das spart enorm viel Zeit. Gerade für Analyse, Bildideen und Textentwürfe nutze ich KI gerne als Grundlage – aber die kreative Feinarbeit bleibt bei mir.

top: Sehen Sie KI eher als Unterstützung oder als Konkurrenz?

PROBST: Ganz klar als Unterstützung. KI bringt große Effizienzgewinne, aber sie hat kein Gespür für Zwischentöne oder kreative Nuancen. Am Ende ist es immer noch der Mensch, der entscheidet, was wirklich passt. Ich nutze KI als Werkzeug, aber die eigentliche Kreativität und das Gespür für den richtigen Ton bleiben menschlich – zumindest noch.

top: Frau Probst, vielen Dank für das anregende Gespräch.

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Martina Sondermann
Foto: J.F. Saba / Location: Design Concept

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