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Wenn der letzte Gast im Herbst von Bord geht, beginnt für die Crew der „Filia Rheni“ die eigentliche Arbeit. Zwischen Lack, Technik und Grundreinigung wird die nächste Saison vorbereitet. top-Redakteurin Martina Sondermann durfte einen Blick hinter die Kulissen der Bonner Personen Schiffahrt (BPS) werfen.
Die „Weiße Flotte“ der BPS gehört seit 1929 zum Rheinbild in der Region. Kaum ein Bonner, der nicht schon einmal auf dem Eventkatamaran „Filia Rheni“, dem Galerie-Salonschiff „Rheinprinzessin“ oder dem Eventschiff „Poseidon“ flussauf- oder -abwärts unterwegs war. Bei Kaffee und Kuchen, auf einer Firmenfeier oder Party.
Nach der großen Flottenparade im Oktober endet jedes Jahr offiziell die Saison der „Filia Rheni“, der „Tochter des Rheins“ – und am Anleger vor dem Alten Zoll kehrt eine ganz eigene Ruhe ein. „Doch das täuscht“, verrät Clemens Schmitz, Schiffseigner, Kapitän und Vorsitzender der BPS. Während „Rheinprinzessin“ und „Poseidon“ bis Silvester noch ihr Winterprogramm fahren, bringt die Mannschaft der „Filia Rheni“ ihren schwimmenden Arbeitsplatz auf Vordermann. Mit Schraubenschlüssel, Schleifmaschine, Farbe und Co.
Es ist die Zeit der Schönheitsreparaturen, des Großreinemachens und der technischen Wartungen, die für den Laien oft unsichtbar bleiben, aber für einen sicheren und komfortablen Betrieb unerlässlich sind. „Wir können uns dann in Ruhe um alles kümmern, was das Schiff angeht, und alles wieder in Schuss bringen – bis April“, erzählt Steuermann Dennis Kemper, der seit zehn Jahren zur Crew gehört.
Alle paar Jahre steht ein Werftaufenthalt an – und im März geht es für die „Filia Rheni“ wieder nach Oberwinter. „Dort wird der Unterboden des Schiffs gründlich inspiziert, gereinigt und neu konserviert“, erklärt Steuermann Paul Simon, der seit 2009 an Bord ist. Früher sei das mit dem alten Anstrich eine schweißtreibende Angelegenheit gewesen. „Da haben wir mit Stoßeisen unterm Schiff gelegen und die alte Farbe abgekratzt.“ Heute wird der Unterboden mit Hochdruckreinigern gesäubert und anschließend moderne Farbe aufgetragen, die beständiger und pflegeleichter ist.

Auch das Schleifen und Lackieren der Reling bis zum Grundreinigen der Polster und Teppiche erledigt das Team selber. „Es gibt eine bestimmte Reihenfolge, die man jeden Winter beachten muss“, erklärt Simon. „Erst schleifen, dann saubermachen – sonst macht das alles keinen Sinn.“
Die Technik bekommt ebenfalls ihre verdiente Aufmerksamkeit. Der Motor wird regelmäßig gewartet, Ölwechsel gehören zur Routine, und wenn irgendwo eine Temperatur zu hoch ist, schaut ein Fachmann von der Werft vorbei.
Alle fünf Jahre steht die große Prüfung durch die Schiffsuntersuchungskommission an – quasi das Pendant zum TÜV bei Autos. „Plaketten gibt es zwar nicht, aber die Auflagen sind streng“, sagt Kapitän Clemens Schmitz. „Brandschutz, neue Richtlinien – das muss alles umgesetzt werden, sonst wird’s teuer.“ Die Winterpause ist also alles andere als ruhig – sie ist die Zeit, in der das Schiff für die nächste Saison fit gemacht wird und die Crew ihr handwerkliches Können beweist.
Dahinter steht ein Team, das so eingespielt ist wie eine gut geölte Maschine. „Wir sind insgesamt fünf – also die beiden Steuermänner, meine Eltern und ich“, erklärt Lena Schmitz, die als Restaurantleiterin zwischen Theke und Personalplanung pendelt. „In so einem kleinen Betrieb muss jeder überall mal einspringen“, ergänzt Simon. „Heute am Steuer, morgen mit dem Pinsel in der Hand.“
Die „Filia Rheni“ ist bei den Schmitzens eine Familienangelegenheit: Auf der Brücke hat Vater Clemens das Kommando, in der Küche Mutter Manuela und im Restaurant Tochter Lena.
Sobald die ersten Sonnenstrahlen den Frühling ankündigen und die Schiffe der „Weißen Flotte“ wieder Fahrt aufnehmen, verwandelt sich der Rhein in eine Bühne für ganz besondere Erlebnisse. „Die Linienfahrten sind nach wie vor unsere Haupteinnahmequelle“, berichtet Clemens Schmitz. Doch seine Gäste haben andere Ziele und Wünsche. Daher hat er zu Coronazeiten einige Stationen aus dem regelmäßigen Dienst herausgenommen und fährt beispielsweise Bundeshaus, Rolandseck mit Arp Museum sowie Mondorf nur noch auf Vorbestellung für Gruppen an. Sehr viele Gäste nehmen auch ihr Fahrrad mit an Bord, um nur One-Way zu schippern. „Die fahren mit dem Rad rheinaufwärts beispielsweise nach Remagen oder Linz, um dann mit einem unserer Schiffe wieder zurück nach Bonn zu fahren“, so der Kapitän.
Darüber hinaus gibt es Themenfahrten wie die „Poseidon Summer-Vibes“ oder den „Festtagsbrunch“ auf der „Rheinprinzessin“. Zu den Höhepunkten zählen die Feuerwerksfahrten wie „Rhein in Flammen“ – mit Gänsehautmomenten, wenn mehrere Schiffe im Konvoi den Rhein entlanggleiten und das Ufer in buntem Licht erstrahlt. Die „Bönnsche Sommernacht“ entstand während der Corona-Zeit als Alternative zu den ausgefallenen Großveranstaltungen. Auch die monatliche „Sundowner Party“ ist beliebt und oft schon zu Saisonbeginn ausverkauft.
Und beim „Bayerischen Party-Abend om Rhing“ werden an Bord der „Filia Rheni“ nicht nur Festbier und Mini-Haxen serviert, sondern die Crew erscheint in zünftiger Tracht. „Auch die Gäste ziehen sich entsprechend an – das ist immer ein Riesenspaß“, berichtet Lena Schmitz. Und wer es romantisch mag, kann sogar auf den drei BPS-Schiffen heiraten.
Von wegen: einfache Bordverpflegung. „Die Leute sind erstaunt, was aus unserer kleinen Küche alles kommt“, lacht Manuela Schmitz. Auf der Karte stehen Klassiker wie Bockwurst mit Kartoffelsalat sowie Gulasch- oder Tomatensuppe, doch der Renner sind die hausgemachten Rouladen mit Rotkohl und Kartoffeln. „Wir machen wirklich Hunderte, vielleicht sogar Tausende davon im Jahr“, so die Köchin. Große Salatteller, vegetarische Varianten und Tagesgerichte sorgen ebenfalls für Abwechslung.
Auch bei Buffets für Veranstaltungen wird alles selbst gemacht – nur ganz am Ende der Saison, wenn die Kühlhäuser leer werden, kommt gelegentlich ein Caterer zum Einsatz.
Der Servicegedanke hört nicht beim Essen auf. Barrierefreiheit ist auf der „Filia Rheni“ selbstverständlich. „Unser Schiff ist so gebaut, dass auch Rollstuhlfahrer und Gäste mit Rollatoren problemlos an Bord und zu den Toiletten kommen“, erklärt Clemens Schmitz. Ob Seniorenfahrt, Familienausflug oder Firmenfeier – das Team sorgt dafür, dass sich jeder willkommen fühlt und entspannt genießen kann, was der Rhein und die Küche zu bieten haben.
Während draußen noch der Winterwind fegt, wächst unter Deck schon die Vorfreude auf die neue Saison. Die letzten Pinselstriche werden gesetzt, die Technik läuft wie geschmiert und das Team schmiedet Pläne für kommende Events. „Traditionell starten wir Karfreitag – und dann geht’s wieder los mit Linienfahrten, Sonnenuntergangstouren und unseren besonderen Highlights“, erzählt Lena Schmitz voller Vorfreude.
Und man spürt die Leidenschaft der Fünf für das, was sie tun. „Wir kriegen das ganz gut hin, dass die Leute sich bei uns wohlfühlen“, sagt Paul Simon und blickt zufrieden auf das frisch polierte Geländer. Denn am Ende ist es genau das, was die „Weiße Flotte Bonn“ ausmacht: ein Ort, an dem Handwerk, Gastfreundschaft und Rheinromantik zusammenkommen.
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