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    Wild: Bonn Vivant im Kottenforst

Freshly baked traditional savoury Italian focaccia bread topped with ham and olives and garnished with fresh rocket on an old grunge cracked wooden chopping board

Eigentlich sah der Plan in meiner Vorstellung makellos aus: Ich wollte diesen Frühling die Antwort auf eine Landlust-Göttin sein. Mit wehendem Leinenbeutel bewaffnet, schwebte ich gedanklich bereits über die Hänge des Venusbergs, um mit fachmännischem Blick das erste junge Grün zu ernten. In meiner Vision lächelte ich Passanten auf dem Weg zum Botanischen Garten nachsichtig zu – sie mit ihrem Supermarkt-Rucola, ich mit der wilden Kraft des Waldes.


Eigentlich sah der Plan in meiner Vorstellung makellos aus: Ich wollte diesen Frühling die Antwort auf eine Landlust-Göttin sein. Mit wehendem Leinenbeutel bewaffnet, schwebte ich gedanklich bereits über die Hänge des Venusbergs, um mit fachmännischem Blick das erste junge Grün zu ernten. In meiner Vision lächelte ich Passanten auf dem Weg zum Botanischen Garten nachsichtig zu – sie mit ihrem Supermarkt-Rucola, ich mit der wilden Kraft des Waldes.

Die Realität am letzten Samstag? Sagen wir mal so: Wer den Kottenforst nach einem typischen Bonner Regenguss unterschätzt, hat die Kontrolle über sein Schuhwerk und zeitweise über sein Leben verloren.

Anstatt grazil zu ernten, rutschte ich auf einer Schlammplateau-Formation Richtung Dottendorf ab und klammerte mich dabei an etwas fest, das ich für „aromatischen Waldmeister“ hielt, das sich aber beim anschließenden Hautkontakt als eine sehr rachsüchtige Bonner Brennnessel entpuppte. Während ambitionierte Marathon-Läufer in High-Tech-Klamotten befremdeten Blickes an mir vorbeizogen, kniete ich im Unterholz und versuchte krampfhaft, den Bärlauch von den Maiglöckchen zu unterscheiden. (Ein Tipp: Wenn es nicht nach einer Dönerbude um drei Uhr morgens riecht, lassen Sie die Finger davon!)

Aber wissen Sie was? Das Ergebnis war jede Demütigung wert. Mein Bärlauch-Focaccia ist dieses Jahr so authentisch, dass meine Nachbarn in der Südstadt wahrscheinlich schon beim bloßen Lüften meiner Küche eine Knoblauchfahne bekommen.

Dazu ein Glas spritziger Wein und die Gewissheit: Ein Picknick am Rhein ist erst dann echtes Lifestyle-Gold, wenn man mindestens eine Ameise im Prosecco und einen leichten Hexenschuss vom Sitzen auf der Rheinaue-Böschung hat. In dieser Kolumne nehmen wir Sie mit zu meinen (schmerzhaft) erprobten Genuss-Hotspots zwischen Beuel und Bad Godesberg. Kommen Sie mit ins Grüne? Ich hätte da noch ein paar Pflaster und ein Rezept, das jede Schlammschlacht vergessen lässt.


Rezept

Das „-Focaccia der Versöhnung” vom Venusberg

Für ein Blech

Zutaten

Für den Teig: 500 g Mehl (Type 550), 350 ml lauwarmes Wasser, 1 Päckchen Trockenhefe, 1 TL Honig, 2 TL Salz, 4 EL Olivenöl.

Für das Topping: Eine ordentliche Handvoll Bärlauch (selbst im Kottenforst erkämpft oder diskret auf dem Marktplatz gekauft), grobes Meersalz, noch mehr Olivenöl.


Zubereitung

Der gemütliche Teil: Mehl, Wasser, Hefe, Honig, Salz und Öl verkneten. Der Teig sollte so weich sein, dass er an den Fingern klebt.

Abgedeckt 1 Stunde gehen lassen.

Das Wellness-Programm: Den Teig auf ein geöltes Blech drücken. Mit den Fingern tiefe Kuhlen hineindrücken.

Das Finish: Den Bärlauch grob hacken und mit reichlich Olivenöl mischen. Diese grüne Pracht großzügig in die Kuhlen füllen und mit Meersalz bestreuen.

Das Finale: Bei 220°C Ober-/Unterhitze ca. 20 Minuten backen, bis es goldbraun ist 

und die ganze Wohnung nach „Ich gehe auf kein Date in den nächsten 48 Stunden“ duftet.

Die weinselige Rettung:

Weinbegleitung von Dagernova

Was trinkt man zu einem Brot, das so viel Selbstbewusstsein (und Knoblauch) hat? Wir bleiben regional und schauen rüber zu unseren Nachbarn an der Ahr. Die Dagernova Weinmanufaktur hat genau das Richtige, um den Gaumen nach der Bärlauch-Attacke wieder zu nullen:

Der Spritzige: Dagernova Blanc de Noir trocken. Ein weiß gekelterter Spätburgunder. Er hat genug Struktur, um gegen das 

Olivenöl anzukommen, ist aber elegant genug, um nicht vom Bärlauch erschlagen zu werden. 

Die Picknick-Alternative:

Ahr-Riesling trocken. Die feine Säure spielt wunderbar mit dem groben Meersalz des Focaccias.

Zuletzt noch der „Genuss-Erlebnis“ Tipp:

Packen Sie das Focaccia warm ein, schnappen Sie sich die gekühlte Flasche Blanc de Noir und setzen Sie sich auf die Mauer am Alten Zoll. Der Blick auf das Siebengebirge macht sogar die Brennnessel-Pusteln am Knöchel vergessen.



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Tanja Wehrmeister
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